Samstag, 15. Oktober 2016

REZENSION I DIE TOCHTER DER TRYLL #1 - VERBORGEN VON AMANDA HOCKING

cbt  I  Klappenbroschur  I  302 Seiten  I  12,99€  I  August 2012

"Sabber lief mir aus dem Mundwinkel, und ich öffnete die Augen rechtzeitig, bevor Mr. Meade ein Buch auf meinen Tisch knallte. Ich war erst seit einem Monat an dieser Highschool, aber ich hatte bereits mitgekriegt, dass dies seine bevorzugte Methode war, um mich aufzuwecken, wenn ich in seiner Geschichtsstunde ein Nickerchen machte. Ich versuchte immer, wach zu bleiben, aber seine monotone Stimme haute mich jedes Mal um wie ein starkes Schlafmittel. Miss Everly?, zischte Mr. Meade. Miss Everly? Hmmm?, murmelte ich, hob den Kopf und wischte mir unauffällig den Sabber von der Wange. Dann schaute ich mich um. Hatte jemand das gesehen? Die meisten Schüler schienen mich nicht zu beachten. Mit einer Ausnahme: Finn Holmes. Er war erst seit einer Woche an der Schule [...]."

Wendy Everly war sechs Jahre alt, als ihre Mutter versuchte, sie umzubringen: Sie sei ein Monster. Elf Jahre später ahnt Wendy, dass ihre Mutter vielleicht Recht hatte. Denn Finn sucht sie auf, ein Gesandter der Tryll - Wesen voller Magie, die in ihrem Äußeren Menschen gleichen, aber nach eigenen Gesetzen leben. Wendy selbst ist eine Tryll und nicht nur irgendeine. Sie ist die Tochter der mächtigen Königin Elora...


Ich habe vorher noch nie etwas von Amanda Hocking gelesen oder großartig von ihr gehört. Ich konnte die gesamte Trilogie günstig erwerben und war durch den Klappentext neugierig geworden. Trotzdem hatte ich nicht allzu viele Erwartungen und war damit gut beraten. 
Amanda Hocking hat einen einfachen Stil, der oft aus kurzen und unkomplizierten Sätzen besteht. Auch ihre Beschreibungen der Charaktere und Umgebung waren mir zu knapp. Daher hatte ich Schwierigkeiten es mir bildhaft vorzustellen.  Als Leser erlebt man es aus Wendys Perspektive, was mir gut gefallen hat, da ich diese Erzählweise sehr gerne mag.

Ich war nicht ganz so aufgeregt wie sie, aber ich hoffte dennoch, dass sie Recht hatte. 
Es wäre schön, sich endlich einmal irgendwo zu Hause zu fühlen.

Der Leser startet mit einem kurzen Prolog, wo man erfährt, wo und wie Wendys vermeintliche Mutter versucht hat sie zu töten. Ich fand diese Szene sehr krass, dennoch hatte ich immer den Eindruck, dass es Wendy mehr zu schaffen gemacht hat, dass ihre Mutter sie als Monster betitelt hat, als die Tatsache, dass sie sie umbringen wollte. 
Nach dem Prolog springt man elf Jahre weiter und lernt eine 17 Jährige Wendy kennen, die sich einfach nicht anpassen kann. Sie muss dauernd die Schule wechseln, da sie sich einfach nicht integrieren kann und ständig Unruhe stiftet. Sie hat mehr und mehr das Gefühl, dass sie nicht normal sei und einfach nicht in diese Welt passt. Ihr einziger Halt ist ihr Bruder Matt, der alles für seine kleine Schwester tun würde und ihre Tante Maggie, die die beiden groß gezogen hat, nachdem ihre Mutter Kim in eine Klinik eingewiesen wurde. Ich hatte meine Probleme mit Wendy, zum einen fand ich sie sehr selbstgefällig und naiv, da sie einfach alles so hingenommen hat, was ihr Finn und Elora gesagt haben. Erst zum Ende des Buchs fängt sie an zu rebellieren, aber da war es mir schon zu spät. Auch ihr liebeskrankes Getue um Finn hat mich sehr genervt, da sie ihn quasi auf ein Podest gestellt, weil er ja sooooo toll ist und nichts was er getan oder gesagt hat anzweifelt. Das Verhalten hat mich stark an Bella aus Biss zum Morgengrauen erinnert. Andererseits hatte ich auch Mitleid mit Wendy, da sie sehr streng und kalt von ihrer richtigen Mutter behandelt wird. 
Finn war mir weder sympathisch noch unsympathisch. Ich kann auch jetzt nicht so recht sagen, wo ich ihn einordnen soll. Zum einen war er immer sehr förmlich und auf seine Aufgabe bedacht. Zum anderen hat er auch seine weiche und sanfte Seite gegenüber Wendy gezeigt. Trotzdem war er nie fassbar für mich.

Es war zwar nicht eigentlich Diebstahl, denn ich wusste, dass sie es mir gerne alles geben würden, worum ich sie bat. Aber das machte das Ganze nur noch schlimmer.

Es wird recht schnell aufgelöst, was Tryll eigentlich sind und es hat mich sehr überrascht. Amanda Hocking hat hier ein magisches Wesen gewählt, was im Grunde als ein sehr schäbiges Wesen in anderen Geschichten dar gestellt wird. Ich fand es eine klasse Idee, da sie dem Leser eine ganz neue Sicht darauf bietet. 
Zum Verlauf muss ich leider sagen, dass es mir eher wie eine überlange Einleitung vorgekommen ist, da in den ersten 200 Seiten nicht viel passiert. Nachdem Finn ihr erklärt hat, dass sie eine Tryll ist (was sie einfach mal so hinnimmt) geht sie nach längerem hadern mit und lernt ihre Mutter Elora kennen. Danach geht es nur noch darum, dass sie sich in die Tryll-Gemeinde einfindet. Vor allem da hat mich gerstört, dass der Grund, warum Wendy an eine Menschenfamilie gegeben wurde so banal war. Ich hatte mir schon die wildesten Gedanken gemacht, warum und wieso, aber ich wurde da echt enttäuscht. Wiederum war es sehr ausgefallen, dass einige der Trylls, Wendy eingeschlossen, besondere Fähigkeiten besitzen. 

Ich sehe aus, als würde ich gleich heiraten, sagte ich und 
schaute Finn an. Soll ich mich umziehen?

Auf den letzten 100 Seiten wurde es auch endlich spannender, doch das konnte die vorherigen 200 Seiten nicht wettmachen. Auch das viel zu schnelle und abrupte Ende hat nicht zum Positiven beigetragen.


Müsste ich dieses Buch in einem Satz beschreiben, würde ich sagen, dass es ganz nett gewesen sei. Natürlich habe ich mich auch etwas mit der Autorin an sich beschäftigt, da es doch einige Lobeshymnen über sie gibt, doch die kann ich zum jetzigen Zeitpunkt absolut nicht teilen. Die Tochter der Tryll #1 war eher ein mittelmäßiges Buch, dass weder schlecht noch gut war und es ist abzuwarten, wie die weiteren Bände sind. Momentan würde ich es nicht unbedingt weiter empfehlen.



Kommentare:

  1. Hallo Janina,
    ich kannte bislang weder das Buch, noch die Autorin. Das Cover springt einem mit diesem krassen Rot total ins Auge. Als ich las, dass die Mutter versucht hat die Protagonistin umzubringen, war ich erstmal geschockt. Von Tryll habe ich bislang auch noch nichts gelesen. Ist das ein Wesen, welches die Autorin erfunden hat? Klingt auf jeden Fall sehr interessant und spannend.
    Vielen Dank für diese Buchvorstellung :o)

    Ganz liebe Grüße Tanja

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    1. Ja, das war damals auch mir direkt ins Auge gesprungen und auch die weitern zwei Bände haben wunderschöne Cover.
      Sagen wir mal so, dass die Autorin ein altbekanntes Wesen neu interpretiert hat ;)

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    2. Huhu Janina,
      argh, du machst mich echt neugierig. :o)))) Mal sehen, wenn es mir zwischen die Finger gerät, werde ich es wohl kaufen müssen :o)

      Ganz liebe Grüße Tanja :o)

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