Freitag, 19. August 2016

REZENSION I GATED #2 - SIE SIND ÜBERALL VON AMY CHRISTINE PARKER

dtv  I  336 Seiten  I  16,95€  I  Hardcover  I  Mai 2015
Meine Rezension zu Teil 1 findest du hier!

"Es ist ein Monat her, seit die Welt untergehen sollte. Eigentlich könnte man meinen, ich würde nicht jeden Morgen voller Panik aufwachen, weil mir der Alarm der Gemeinde in den Ohren schrillt und ich so schnell atme, dass ich so gut wie keinen Sauerstoff mehr aufnehme. 
Aber es ist so. Vielleicht liegt es daran, dass ich tief im Inneren nach wie vor nicht glauben kann, dass die Apokalypse nicht doch noch irgendwo hinter dem Horizont lauert. Schließlich haben mich meine Familie und unser Anführer Pioneer von morgens bis abends davor gewarnt, seit ich fünf Jahre alt war. Wie soll ich plötzlich den Schalter umlegen und glauben, es sei alles eine Lüge gewesen?
Ich wische das Kondenswasser vom Badezimmerspiegel und starre auf das, was im Wischstreifen von mir zu sehen ist."

Lyla atmet auf: Das Böse scheint besiegt und sie selbst lebt an einem sicheren Ort. Doch bald muss sie sich eingestehen, dass sie dem Ausstieg aus der Sekte, der sie seit ihrer Kindheit angehörte, kaum gewachsen ist. Schon der ganz normale Teenager-Alltag, den sie jetzt zu bewältigen hat, verunsichert und überfordert sie. Als aber die Gemeindemitglieder immer massiver in ihr neues Leben eingreifen, beginnt für Lyla der reinste Albtraum.
(Quelle Text und Bild: dtv)
Nach Teil 1 musste ich einfach wissen, wie es weiter geht. Ob Lyla den Ausstieg schafft, wie sie ihren neuen Alltag bewältigt, was mit ihr und Cody passiert und wie es mit dem Rest der Gemeinde weiter geht. 
Als Leser steigt man ungefähr einen Monat nach den Ereignissen in Mandrodage Meadows ein. Lyla lebt inzwischen bei Cody und seiner Familie, da sie es bei ihren eigenen Eltern, die immer noch an Pioneer glauben und mit der Gemeinde zusammen leben, nicht aushält. 
Die Gemeinde musste Mandrodage Meadows verlassen und lebt nun in einem Wohnwagenpark außerhalb der Stadt. Pioneer wurde ins Gefängnis gebracht und beschreibt sich selbst als ein Wunder, da er die eigentlich tödliche Schussverletzung überlebt hat. 

"Ein guter Hirte legt sich nicht schlafen, solange sich eines seiner Schafe auf Abwegen befindet. Pioneer, Gemeindeführer"

Amy Christine Parkers lockerer Schreibstil konnte mich wieder sofort fesseln und auch Lyla war wieder eine sympathische, starke und überzeugende Protagonistin. Auch fanden sich wieder einige von Pioneers "Weisheiten", aber auch Zitate von anderen Gemeindemitgliedern, Lyla und eins von Stephen King über jedem Kapitel. 

Lyla fühlt sich zwischen beiden Welten sehr hin- und hergerissen. Ein Teil von ihr weiß, dass es richtig war die Gemeinde zu verlassen und die Welt, die Pioneer aufgebaut hatte, nichts weiter als eine Große Lüge war. Doch andererseits fühlt sie sich immer noch zur Gemeinde zugehörig, da sie fast ihr ganzes Leben lang dort mit den anderen Mitgliedern gelebt, mit ihnen gelacht und geweint hat. Dieser innere Konflikt hat die Autorin sehr eindrücklich in Szene gesetzt, sodass ich mich wieder sehr gut in Lyla hinein versetzen konnte. 
Im ersten Band spielte die Handlung fast ausschließlich in der Gemeinde selbst, daher lernte ich nur die anderen Gemeindemitglieder kennen. Im zweiten Teil spielen sie immer noch eine große Rolle, da sie immer noch fest in ihrem Glauben an Pioneer und die bevorstehende Apokalypse sind. Auch Lylas Mutter ist ihr Glaube, Pioneer und die Gemeinde mehr Wert als ihre Tochter. Sie möchte sie zwar wieder bei sich haben, aber nur, wenn Lyla zurück in die Gemeinde kommt. 
Will hat nun eine nicht mehr ganz so präsente Rolle, doch ist er noch eine der stärksten Verbindungen von Lyla zur Gemeinde, da sie ihn immer noch als ihren besten Freund sieht. Bei Will wird auch klar, dass er einfach Angst hat und deshalb nicht einsehen möchte, dass Pioneer nicht der ist, für den ihn die Gemeinde hält. Er wünscht sich halt nur sein altes Leben zurück. 
Jetzt lernt man auch Cody und seine Familie besser kennen, sowie einige Schüler, Lehrer und die Psychologin die Lyla betreut. Vor allem Cody steht Lyla immer zur Seite, möchte sie vor allem beschützen und hat immer Verständnis für sie, wenn sie sich überfordert fühlt oder wieder einen Albtraum hat. Er ist ein sehr warmherziger Junge, dem egal ist, was andere denken. Außerdem hat er ein Vorliebe für Filme und ein sehr außergewöhnliches Hobby. 
Eine Mitschülerin, die der Leser näher kennen lernt ist Jack. Sie ist nicht nur selbst eher ein Außenseiter, sondern möchte auch mal Journalistin werden. Sie geht sehr offen auf Lyla zu und möchte ihre Freundin sein, jedoch ist sie manchmal etwas sehr neugierig und kommt daher taktlos rüber. 

Es war auch wieder sehr interessant zu lesen, wie manche Menschen sich dermaßen manipulieren lassen, weil sie einfach nicht die Wahrheit sehen wollen bzw. sich dieser stellen. So sind zum Beispiel auch noch Maries Eltern treue Gemeindemitglieder und wollen einfach nicht glauben, dass Pioneer ihre Tochter getötet hat. Da sie sonst auch ein Stück Verantwortung dafür übernehmen, was ihren Kindern passiert ist.

"Ich habe die Augen überall. Du kannst mir nicht davonlaufen."

Die Story hat wieder ein gutes Tempo und es war sehr realistisch geschildert. Ich hatte wirklich nie den Gedanken oder das Gefühl, dass die Autorin anfängt zu übertreiben mit ihren Schilderungen. Lyla ist mit ihrem neuen Leben immer wieder überfordert, hat Albträume und fühlt sich trotz der Unterstützung von Cody und seiner Familie allein. Als sie in die örtliche Highschool muss ist ihr mulmig zumute. Nicht nur, dass sie auf neue Menschen treffen wird, sondern auch ihre alten Freunde aus der Gemeinde werden dort zur Schule gehen. 
Pioneer sagte Lyla, dass sie immer ihm gehören würde und genau das lässt die Gemeinde sie spüren. Während sie immer neuen Anfeindungen von Mitschülern und deren Eltern ausgesetzt wird, setzt die Gemeinde sie immer weiter unter Druck und manipulieren sie. Schließlich ist Lyla so in die Enge getrieben, dass ihr gar nichts anderes übrig bleibt, als zur Gemeinde zurück zukehren. 
Es wird ansehnlich dargestellt, dass es nicht so einfach ist aus einer Sekte auszusteigen, wie aus einem Verein beispielsweise. Es ist quasi ein Bund auf Lebenszeit und wer das nicht so sieht, gilt als Bedrohung für die Glaubensgemeinschaft. Auch Lyla spürt am eigenen Leib, dass einige Gemeindemitglieder vor nichts mehr zurück schrecken, um ihren Glauben und ihre Lebensweise zu verteidigen. 

"Ich glaube, dass er auf alles eine Antwort hat. Natürlich glaube ich das. Das muss ich doch. 
Will Richardson, Gemeindemitglied"

Ich muss wirklich gestehen, dass ich zwar mit einem großen Knall am Ende gerechnet habe, aber nicht mit diesem. Es gab einige Wendungen, die ich so nicht vorher gesehen habe, was einen als Leser immer positiv überrascht. Natürlich war die Richtung in die das ganze zielt absehbar, aber es war so atemberaubend geschildert, dass ich auch hier das Buch gar nicht aus der Hand legen wollte.

Eine hoch spannende Fortsetzung, die mir noch besser gefallen hat als der vorherige Band. Ein fesselnder Jugenthriller, der es auf teilweise Furcht einflößende Art und Weise versteht aufzuzeigen, wozu Menschen fähig sein können. 

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